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[+] Die Göttinger Sieben

Für die Freiheit, die Verfassung und das Staatsgrundgesetz

GE: Nach langen Verhandlungen trat im Jahre 1833 im Königtum Hannover eine Verfassung in Kraft, das sogenannte "Staatsgrundgesetz". An diesem "Grundgesetz" wirkte der bekannte Staatsrechtler und Historiker Christoph Friedrich Dahlmann als Vertreter der Universität zu Göttingen mit. Hannover gehörte zur damaligen Zeit der vergleichsweise liberalen Staaten des "Deutschen Bundes" (Staatenbund deutscher Staaten von 1815 bis 1866) an. Mit dem Ableben von König Wilhelm IV. von Großbritannien und Hannover am 20. Juni 1837 endete die Personalunion (Ausübung zweier voneinander unabhängiger Ämter durch eine Person) beider Staaten. In Hannover regierte nun Wilhelms Bruder Ernst August I.

EN: After lengthy negotiations, a constitution - known as the "Staatsgrundgesetz" - came into force in the Kingdom of Hanover in 1833. The renowned constitutional law scholar and historian Christoph Friedrich Dahlmann contributed to this “Grundgesetz” as a representative of the University of Göttingen. At that time, Hanover belonged to the comparatively liberal states of the "German Confederation" (a confederation of German states from 1815 to 1866). With the death of King William IV of Great Britain and Hanover on June 20, 1837, the personal union (the exercise of two independent offices by one person) of the two states came to an end. Hanover was now ruled by Wilhelm’s brother, Ernst August I.

Kurz nach seinem Amtsantritt erklärte der neue Machthaber Ernst August I am 5. Juli 1837 offen, dass er sich nicht an die Verfassung, respektive das neue "Staatsgrundgesetz" halten würde. Seine Begründung fasste er in der Aussage zusammen, er wäre nicht um Zustimmung konsultiert worden. Der Staatsrechtler und Historiker Christoph Friedrich Dahlmann versuchte den Senat der Universität zu Göttingen zum Widerstand zu bewegen, doch er scheiterte an 41 Kollegen, welche während der hundertjährigen Feierlichkeiten der Georg-August-Universität Göttingen (Georgia Augusta) jedem Konflikt aus dem Wege zu gehen bemühten.

Shortly after taking office, the new ruler, Ernst August I, openly declared on July 5, 1837, that he would not abide by the constitution, or rather the new “Basic State Law.” He summarized his reasoning in the statement that he had not been consulted for approval. The constitutional scholar and historian Christoph Friedrich Dahlmann attempted to persuade the Senate of the University of Göttingen to resist, but he failed due to 41 colleagues who, during the centennial celebrations of the Georg-August University of Göttingen (Georgia Augusta), sought to avoid any conflict.

Am 1. November 1837 setzte König Ernst August I. das "Staatsgrundgesetz" außer Kraft. Daraufhin versuchte Dahlmann erneut, die Universität sowie seine Kollegen gegen den "königlichen Staatsstreich" zu mobilisieren. Er verfasste eine Protestnote. Jedoch fanden sich lediglich nur sechs weitere Professoren, welche sich hinter Dahlmann und hinter die Freiheit und die Verfassung stellten: Jurist Wilhelm Eduard Albrecht, der Theologe und Orientalist Georg Heinrich August Ewald, der Historiker Georg Gottfried Gervinus, die Germanisten Jakob und Wilhelm Grimm und der Physiker Wilhelm Weber. Die Brisanz dieser verfassten Protestation entwickelte sich, als ihre Veröffentlichung (vermutlich durch den Historiker Georg Gottfried Gervinus) von hunderten von Studenten innerhalb weniger Tage tausende von Abschriften anfertigten und diese in ganz Deutschland versandten. Freiheitliches und eigenständiges Denken, sowie "Freiheit" war König Ernst August I. ein "Dorn im Auge" und er fühlte sich einem harten Durchgreifen verpflichtet. Kritik an der Obrigkeit ist nicht zu dulden und die "Aufständischen" müssen die ganze Härte des Machthabers zu spüren bekommen.

On November 1, 1837, King Ernst August I repealed the "Constitution". Dahlmann then made another attempt to mobilize the university and his colleagues against the "royal coup d’état". He drafted a protest note. However, only six other professors came forward to stand behind Dahlmann and in support of freedom and the constitution: the jurist Wilhelm Eduard Albrecht, the theologian and orientalist Georg Heinrich August Ewald, the historian Georg Gottfried Gervinus, the Germanists Jakob and Wilhelm Grimm, and the physicist Wilhelm Weber. The impact of this written protest grew when, following its publication (presumably by the historian Georg Gottfried Gervinus), hundreds of students made thousands of copies within a few days and distributed them throughout Germany. Liberal and independent thinking, as well as "freedom", were a "thorn in the side" of King Ernst August I, and he felt compelled to crack down hard. Criticism of the authorities was not to be tolerated, and the "rebels" were to feel the full force of the ruler’s power.

Am 4. Dezember 1837 wurde diese sieben Professoren vor das Universitätsgericht beordert und bereits 10 Tage später ihrer gesamten Ämter enthoben. Die Professoren Dahlmann, Gervinius und Jakob Grimm mussten aufgrund der Verbreitung ihrer Protestschrift das Königreich binnen drei Tagen verlassen. Weiterhin wurden sie des Landes verwiesen und mussten somit der Universitätsstadt Göttingen den Rücken kehren. Den weiteren Professorenkollegen war nach ihrer Entlassung der Aufenthalt noch gestattet.

On December 4, 1837, these seven professors were summoned before the university court and, just 10 days later, were removed from all their posts. Professors Dahlmann, Gervinius, and Jakob Grimm were ordered to leave the kingdom within three days due to the distribution of their protest letter. Furthermore, they were expelled from the country and thus had to turn their backs on the university town of Göttingen. The other professors were still permitted to remain after their dismissal.

Die unmittelbare Auswirkung dieses Protestes blieb zunächst lokal begrenzt und die Stadt sowie ihre Bürger nahmen davon nahezu keine Kenntnis. Der von Teilen des freiheitsliebenden Bürgertums (konservative Bürger) erhoffte Aufstand gegen den "königlichen Staatsstreich" blieb wider erwartend aus. Jedoch war das Echo über die lokalen Grenzen hinaus in Deutschland und ganz Europa enorm.

The immediate impact of this protest was initially limited to the local area, and the city and its citizens took almost no notice of it. Contrary to expectations, the uprising against the "royal coup" that some members of the freedom loving bourgeoisie (conservative citizens) had hoped for failed to materialize. However, the response extended far beyond local borders, resonating throughout Germany and all of Europe.

Die Tatsache, dass die "Göttinger Sieben" ihren Eid auf das Staatsgrundgesetz über die Treue zu ihrem Monarchen (Landesherren) stellten und dafür einschneidende persönliche wie auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachteile in Kauf nahmen, trug maßgeblich zur Förderung des Konstitutionalismus und des Liberalismus in Deutschland bei. Der Mut dieser "Göttinger Sieben" war eine wichtige Voraussetzung für die Revolution 1848 und das sogenannte "Professorenparlament" in der Frankfurter Paulskirche (Frankfurter Nationalversammlung, erstes gesamtdeutsches Parlament). Das publizistische Echo, welches ihr Mut, ihre Standhaftigkeit, ihre Zivilcourage und ihre Liebe zur Freiheit in ganz Europa fand, trug entscheidend zur Schaffung einer liberalen, freiheitsliebenden Öffentlichkeit in Deutschland bei.

The fact that the "Göttingen Seven" placed their oath of allegiance to the Basic Law above their loyalty to their monarch (sovereign) and accepted drastic personal, economic, and social consequences as a result contributed significantly to the advancement of constitutionalism and liberalism in Germany. The courage of these "Göttingen Seven" was a crucial prerequisite for the 1848 Revolution and the so-called "Professors’ Parliament" in Frankfurt’s Paulskirche (Frankfurt National Assembly, the first pan-German parliament). The media response to their courage, steadfastness, moral courage, and love of freedom, which resonated throughout Europe, played a decisive role in the creation of a liberal, freedom loving public sphere in Germany.

Quellen:
www.uni-goettingen.de/de/die+g%C3%B6ttinger+sieben/30770.html

Persönliche Anmerkung: Im Geiste der "Göttinger Sieben": Demokratie, Freiheit, deutsche Akademiker und kanadische Trucker

Sieben Akademiker an der Zahl wagten den freien und demokratischen Aufstand. Früher waren es eine "Handvoll deutscher Akademiker", heute ist es eine "Handvoll kanadischer Trucker". Das sollte den einen und/oder anderen Mitmenschen, vielleicht auch Akademiker, zum Nachdenken bringen. So das persönliches Empfinden und die ganz subjektive Meinung des Autors, der leider bezweifelt, dass er diese freie Meinung heute (2026) noch äußern darf. Trotz alledem und gerade aus diesem Grunde erst recht: "IM GEISTE DER GÖTTINGER SIEBEN!"

Personal note: In the spirit of the "Göttingen Seven": democracy, freedom, German academics, and Canadian truckers

Seven academics dared to stage a free and democratic uprising. In the past, it was a "handful of German academics"; today, it is a "handful of Canadian truckers". This should give some of our fellow human beings - perhaps even academics - something to think about. Such is the personal sentiment and entirely subjective opinion of the author, who unfortunately doubts that he is still permitted to express this free opinion today (2026). Despite all this, and precisely for this reason all the more: "IN THE SPIRIT OF THE GÖTTINGEN SEVEN!"

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