[+] Der Westfälische Frieden
1648: Die Geburtsstunde des Völkerrechts
GE: Der »Westfälische Frieden« ist das unangefochtene und bis dato größte diplomatische Meisterwerk zur Beendigung eines blutigen und verheerenden Konfliktes, welcher ganz Europa dreißig Jahre lang in Dunkelheit, Leid, Schmerz und Tod verwandelte. Wir sprechen vom »Dreißigjährigen Krieg« (1618 - 1648). Der »Westfälische Frieden« beendete diese dunkle europäische Zeit, in der vier große europäische Kriege miteinander verflochten waren: (1) der »Achtzigjährige Krieg« (Die Niederlande kämpften gegen Spanien), (2) der Krieg Schwedens und (3) der Krieg Frankreichs gegen das »Heilige Römische Reich«. Lediglich (4) der Krieg Frankreich gegen Spanien dauerte noch an.
EN: The »Peace of Westphalia« is the undisputed and, to this day, greatest diplomatic masterpiece for bringing an end to a bloody and devastating conflict that plunged all of Europe into darkness, suffering, pain, and death for thirty years. We are referring to the »Thirty Years’ War« (1618–1648). The »Peace of Westphalia« brought an end to this dark period in European history, during which four major European wars were intertwined: (1) the “Eighty Years’ War” (the Netherlands fought against Spain), (2) the Swedish War, and (3) the war between France and the »Holy Roman Empire«. Only (4) the war between France and Spain was still ongoing.
Bereits zuvor gab es Versuche, die einzelnen Konflikte zu beenden, 1629 in Lübeck und 1635 in Prag. Allerdings waren diese Versuche zum Scheitern verurteilt, da sie nicht alle Interessen der beteiligten Parteien mit einbezogen. Der Coup zu einem dauerhaften Frieden in Europa gelang erst 1648 in den beiden deutschen Städten Münster und Osnabrück. Es war die erste gesamteuropäische Friedenskonferenz in der Geschichte Europas, ja wenn nicht der ganzen Welt! Der »Westfälische Frieden« brachte territoriale Veränderungen mit sich, wie beispielsweise Gebietsabtretungen an Frankreich und Schweden. Zeitgleich entstanden in Europa zwei souveräne Staaten: die »Vereinigten Niederlande« sowie die »Schweizer Eidgenossenschaft«. Beide schieden aus der Rechtshoheit des Reichsverbandes aus.
There had already been attempts to end the individual conflicts, in Lübeck in 1629 and in Prague in 1635. However, these attempts were doomed to failure because they did not take into account the interests of all the parties involved. It was not until 1648, in the two German cities of Münster and Osnabrück, that a lasting peace in Europe was finally achieved. It was the first pan-European peace conference in the history of Europe if not the entire world! The »Peace of Westphalia« brought about territorial changes, such as the cession of territories to France and Sweden. At the same time, two sovereign states emerged in Europe: the »United Netherlands« and the »Swiss Confederation«. Both withdrew from the jurisdiction of the Holy Roman Empire.
Das »Westfälische System« legte den Grundstein für das heutige Völkerrecht und somit für ein Prinzip des friedlichen Umgangs der Völker untereinander. Besonders herauszuheben ist die Souveränität der Staaten, unabhängig von ihrer Macht, ihrer Größe, ihrer Rechtsform und ihrer inneren sowie äußeren Ordnung. Durch die Garantien der großen europäischen Mächte erwies sich der »Westfälische Frieden« als stabilisierendes Element für eine friedlichere Weiterentwicklung auf dem europäischen Kontinent. Bis vor kurzem wurde der »Westfälische Frieden« als Referenz für Friedensschlüsse herangezogen.
The »Westphalian System« laid the foundation for modern international law and thus for the principle of peaceful relations among nations. Of particular note is the sovereignty of states, regardless of their power, size, legal form, or internal and external order. Thanks to the guarantees provided by the major European powers, the »Peace of Westphalia« proved to be a stabilizing factor for more peaceful development on the European continent. Until recently, the »Peace of Westphalia« was used as a reference for peace treaties.
Im Rahmen des Religionsstreits innerhalb des »Heilige Römische Reich« ist dieser Friedensschluss ebenfalls als vorbildliches Element zu nennen und wurde Bestandteil der bis zum Jahre 1806 gültigen Verfassungsordnung des Reichs. Hinsichtlich der blutigen Auseinandersetzungen brachte der »Westfälische Frieden« auch den Frieden zwischen den Konfessions- und Religionskriegen im Reich.
In the context of the religious conflicts within the Holy Roman Empire, this peace treaty also stands out as a model agreement and became an integral part of the Empire’s constitutional order, which remained in effect until 1806. In light of the bloody conflicts, the »Peace of Westphalia« also brought an end to the religious wars within the Empire.
In kurzen Worten zusammengefasst:
Der »Westfälische Frieden« beruht auf (1) einem System unabhängiger Staaten, die davon (2) Abstand nahmen, sich in die inneren Angelegenheiten der anderen Staaten einzumischen, (3) und die jeweiligen Bestrebungen der anderen durch ein allgemeines Gleichgewicht der Kräfte zu kontrollieren suchten. In den europäischen Konflikten hatte sich kein Anspruch auf eine alleinige Wahrheit und keine universale Vorherrschaft durchsetzen vermocht. Vielmehr wurden nun (4) Staaten mit dem Attribut der Souveränität über das eigene Territorium ausgestattet. Jeder Staat (5) anerkennt die inneren Strukturen und (6) das religiöse Bekenntnis der anderen Staaten als Realität und enthielt sich jeder Infragestellung ihrer Existenz. Das Mächtegleichgewicht (7) wurde nun als natürlich und erwünscht angesehen, auch (8) die Bestrebungen der Herrscher wurden in ein Gleichgewicht gestellt und zumindest theoretisch die Tragweite der Konflikte begrenzt.
In a nutshell:
The »Peace of Westphalia« was based on (1) a system of independent states that (2) refrained from interfering in the internal affairs of other states, (3) and sought to keep each other’s ambitions in check through a general balance of power. In European conflicts, no claim to a single truth or universal supremacy had been able to prevail. Rather, states were now (4) endowed with sovereignty over their own territory. Each state (5) recognized the internal structures and (6) the religious beliefs of the other states as a reality and refrained from questioning their existence. The balance of power (7) was now regarded as natural and desirable; furthermore, (8) the ambitions of the rulers were balanced, and the scope of conflicts was limited, at least in theory.
Quellen:
https://www.stadt-muenster.de/frieden/der-westfaelische-friede | Auszug aus der Vorlesung von Marc-Oliver Walz: "2.20 WELT - Historie Europa und das christlich westfälische System"
